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Veröffentlicht 29. November 2015 von NeueInfo in Familie & Gesellschaft
 
 

Heiraten: Finanzielle Vor- und Nachteile

Was sind die finanziellen Vor- und Nachteile wenn man heiratet?

Viele Paare, darunter auch Paare gleichen Geschlechts, die gemäß Lebenspartnerschaftsgesetz standesamtlich heiraten, besiegeln ihre Liebe am Hochzeitstag. Mit dem Jawort verändert sich für beide Partner das Leben. Besonders auf die eigene finanzielle Situation und in den Bereichen Steuern, Rechte und Pflichten bezüglich Altersvorsorge, Versicherungen und im Erbrecht wirkt sich die Heirat aus. Deshalb solltest Du Dich über die Vor- und Nachteile der Ehe informieren, bevor Du zum Traualtar gehst.

Heiraten: Finanzielle Vor-und-Nachteile

Was sind finanzielle Vor-und-Nachteile nach der Heirat?

Welche Steuerklasse musst Du wählen, um finanzielle Vorteile zu erlangen?

Je mehr Dein Einkommen und das Einkommen Deines Ehemannes auseinanderliegen, umso höher wird die Steuerersparnis. Jetzt wirkt das sogenannte Ehegattensplitting, das heißt, dass Ihr zwischen zwei Steuerklassen wählen könnt. Hast Du oder Dein Mann das höhere Einkommen, so sollte derjenige mit dem höheren Einkommen die günstigere Einkommenssteuerklasse drei und derjenige mit dem niedrigeren Einkommen die teure Einkommenssteuerklasse fünf wählen. Dadurch fällt die Steuerersparnis in der Steuerklasse drei höher aus als die Steuerlast in der Steuerklasse fünf. Ist Euer Einkommen fast gleich hoch, dann solltet Ihr Euch beide für die Einkommenssteuerklasse vier entscheiden. Ein Steuervorteil ist aber bei Steuerklasse vier nicht vorhanden, da Ihr beide dann gleichviel verdient.

Welche Auswirkung hat die Heirat auf Freibeträge für Kapitalerträge?

Bei Kapitalerträgen, sei es aus Zinseinnahmen, Aktien, Fonds oder Dividenden, beläuft sich der Freibetrag für Euch nach der Heirat auf 1602 Euro, den Ihr als Ehepaar gemeinschaftlich nutzen und aufteilen könnt. Von allen Kapitalerträgen, die darüber liegen, sind 25 Prozent Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an das Finanzamt abzuführen. Schöpfst Du Deinen Freibetrag nicht aus, kannst Du ihn auf Deinen Partner übertragen.

Wie wirkt sich die Heirat auf die Krankenversicherung aus?

In der gesetzlichen Krankenversicherung hast Du die Möglichkeit, Dich kostenlos über die Versicherung Deines Ehepartners versichern zu lassen. Voraussetzung ist jedoch, dass Du ein Monatseinkommen von maximal 450 Euro hast. Ist Euer Einkommen höher, hat sich jeder eigenständig zu versichern. Kinder sind kostenlos in der Familienversicherung einbegriffen.

Wie sieht es bei den Leistungen vom Sozialamt nach der Heirat aus?

Solltest Du oder Dein Ehepartner durch Arbeitslosigkeit oder anderen Gründen bedürftig werden, zahlt das Sozialamt nach den Vorschriften des Sozialgesetzbuches Leistungen. Die Errechnung der Höhe dieser Leistungen wird aufgrund Euer beider Einkommen, die addiert werden, errechnet. Wird dabei festgestellt, dass Du oder Dein Partner den Lebensunterhalt allein bestreiten kann, wird keine Leistung seitens des Sozialamtes erbracht.

Rechte und Pflichten einer Ehe

Rechte und Pflichten einer Ehe

Welchen Vorteil hat ein Ehepaar beim Elterngeld?

Wenn Ihr Elterngeld nach Eurer Heirat beantragen wollt, solltet Ihr darüber nachdenken, als Ehepaar die Steuerklasse in die Steuerklasse drei zu wechseln, um ein höheres Nettoeinkommen zu erhalten. Elterngeld wird auf der Grundlage des letzten Nettoeinkommens berechnet. Dieser Wechsel lohnt sich jedoch nur, wenn der Maximalbetrag des Elterngeldes von 1800 Euro noch nicht ausgeschöpft ist. Die Möglichkeit des Steuerklassenwechsels ist nur Ehepaaren vorbehalten.

Gibt es Vorteile für Ehepaare beim Schenken und Erben?

Ehepaare haben beim Thema Erben und Schenken einen wesentlichen Vorteil. Du erbst mindestens zu halb, wenn Ihr Kinder habt und es keinen Ehevertrag gibt. Der Freibetrag für Ehegatten bei Erbe oder Schenkung beträgt 500.000 Euro und kann jeweils nach zehn Jahren wieder in Anspruch genommen werden. Wird Dir von Deinem Ehepartner die selbst bewohnte Immobilie oder ein Teil daran geschenkt, brauchst Du keine Schenkungssteuer zahlen. Auch eine Anrechnung auf den Freibetrag erfolgt in diesem Falle nicht. Für Ehepaare sind auch die Steuersätze für Schenkung und Erbe, die über den Freibetrag hinausgehen wesentlich geringer. Diese variieren zwischen sieben Prozent bei 75.000 Euro über dem Freibetrag bis neunzehn Prozent bei sechs Millionen Euro über den Freibetrag.

Ist es von Vorteil, bei Krankheit oder Tod des Partners, verheiratet zu sein?

Ja. Bei Krankheit des Partners bist Du der Ansprechpartner, wenn es um Informationen und Entscheidungen, die in Absprache mit dem Arzt getroffen werden, sollte Dein Partner nicht mehr in der Lage dazu sein. Bei Tod bist Du als Ehepartner direkter Erbe und hast damit die Totenfürsorgepflicht. Du bist berechtigt, über das Wie und Wo der Bestattung zu bestimmen.

Gibt es Vorteile bei der Altersvorsorge, wenn man verheiratet ist?

Wenn Du verheiratet bist, bist Du weitestgehend gegen die Altersarmut geschützt, da Du beim Ableben Deines Ehepartners Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente, die Witwenrente, circa 25 bis 60 Prozent der Rentenansprüche des Verstorbenen, hast. Auch eventuelle Betriebsrenten werden so gezahlt, wenn Du als Begünstigter eingetragen wurdest. Ein weiterer Vorteil in der Ehe ist, dass Du als nicht rentenversicherungspflichtige Person, selbstständig oder erwerbslos, förderwürdig für die staatlich geförderte Riester-Rente bist und einen eigenen Riestervertrag abschießen kannst.

Wie sieht es bei der Scheidung der Ehe mit den Rentenansprüchen aus?

Bei der Scheidung wird der sogenannte Versorgungsausgleich vorgenommen. Das heißt die Rentenansprüche jedes Partners, die während der Ehejahre erreicht wurden, werden durch den Rententräger errechnet, addiert und halbiert. Du und Dein Ehepartner erhalten je zur Hälfte Rentenpunkte. Gleiches gilt für die betriebliche Altersvorsorge mit eigenem Anrecht. Der Rententräger oder Versicherer nimmt dann die Änderung der jeweiligen Verträge vor. Ehepaare haben aber die Möglichkeit, den Versorgungsausgleich in einem Ehevertrag explizit auszuschließen.

Hat der Ehepartner nach der Scheidung Anspruch auf Unterhalt?

Gemäß gesetzlichen Bestimmungen ist Dein Expartner auch nach Scheidung der Ehe verpflichtet, Dir gegenüber Unterhalt zu zahlen, wenn Du weniger Einkommen hast als er. Die Höhe richtet sich nach Einkommens- und Lebensverhältnissen sowie Vermögen, die Dauer nach Anzahl der Ehejahre oder Kindererziehungszeiten.

Was passiert mit dem Vermögen nach der Ehescheidung?

Der Vermögenszuwachs wird bei Scheidung der Ehe mit dem Vermögensausgleich halbiert, wenn eine Zugewinngemeinschaft vorgelegen hat und kein Ehevertrag mit Gütertrennung mit Ausschluss des Vermögensausgleichs existierte. Zum Ausgleich gehören Barvermögen, gemeinsame Anschaffungen, Wertsachen, Wertpapiere, Immobilien, aber auch Schulden, wie noch laufende Kredite.

Was geschieht mit den Scheidungskosten?

Die Kosten für ein Scheidungsverfahren werden gegeneinander aufgehoben, das heißt, Du und Dein Expartner haben jeweils die Hälfte zu tragen.

Mit der Heirat erlangen Paare nicht nur viele Gemeinsamkeiten, sondern sie erlangen auch Rechte und Pflichten mit vielen Vorteilen, die sich für sie finanziell positiv auswirken. Nachteile einer Ehe werden erst mit einer Scheidung sichtbar. Es heißt nicht umsonst, scheiden tut weh!